Konzeption der Gemeinschaftsschule in Kellinghusen
Die Leitidee der Gemeinschaftsschule Kellinghusen lautet:
Jede Schülerin und jeder Schüler hat ein Recht auf Erfolg!
Um diese Leitidee umzusetzen, bietet die Gemeinschaftsschule wohnortnah für Schülerinnen und Schüler aller Begabungen weitestgehend gemeinsamen Unterricht an.
Die Unterrichtsinhalte orientieren sich an den geltenden Bildungsstandards und an den Vereinbarungen über die Schularten im Sekundarbereich I. Dabei wird das anerkannte Knowhow der beiden im Schulzentrum noch bestehenden Schulen (Haupt- und Realschule) genutzt und weiterentwickelt. Auch die bereits vorhandenen Angebote der offenen Ganztagsschule einschließlich eines pädagogisch geführten Mensaangebots werden weiterentwickelt und ausgebaut.
Die Gemeinschaftsschule Kellinghusen führt zum
• Hauptschulabschluss – für leistungsstarke und anstrengungsbereite Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen sowie für Hauptschülerinnen und Hauptschüler mit Unterstützungsbedarf über eine Flexible Ausgangsphase
• mittleren Bildungsabschluss
• Übergang in die gymnasiale Oberstufe
Bei ausreichender Jahrgangsbreite wird eine dann zu genehmigende Sekundarstufe II (Oberstufe) eingerichtet, die zum Abitur führt.
Die Konzeption der Gemeinschaftsschule wird in enger Kooperation aller beteiligten Partner vor Ort - Schulleitungsteam, Kollegium, verfasste Elternschaft, verfasste Schülerschaft, Schulträger, schulische und außerschulische Kooperationspartner - durch konsequente Evaluation weiterentwickelt.
Alle am Schulleben beteiligten Menschen legen Wert auf respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. Deshalb wird an der Gemeinschaftsschule Kellinghusen besonderer Wert auf die Förderung der sozialen Kompetenzen gelegt.
Die wichtigsten Eckpunkte der Gemeinschaftsschule Kellinghusen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
• Individuelles Fördern und Fordern für jede Schülerin und jeden Schüler in allen Klassenstufen
• Gemeinsamer Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen
• enge Kooperation und gemeinsames Lernen in den Jahrgangsstufen 5 ,6, 7, ab Klassenstufe 8 zunächst abschlussbezogen
• gemeinsame Berufsorientierungsphase.
Ziel der engen Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaftsschule ist der größtmögliche Schulerfolg für jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler. Hierzu ist die Arbeit der Schule konsequent an den Bildungsstandards ausgerichtet. Grundlage der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule ist eine hohe Flexibilität der Unterrichtsangebote während der gesamten Sekundarstufe I sowie eine kontinuierliche individuelle Beratung über die Schullaufbahn.
Innerhalb der Gemeinschaftsschule sollen alle Schülerinnen und Schüler den höchsten Bildungsabschluss erreichen, der ihnen mit intensiver Förderung, kontinuierlicher Anforderung und eigenem Engagement möglich ist. Hierzu orientiert sich jede Schülerin und jeder Schüler fachbezogen und fächerübergreifend unter anderem an Kompetenzrastern und dokumentiert seine Lernfortschritte in Portfolios. Hinzu kommen für einige Schülerinnen und Schüler Förderpläne, die in enger Kooperation mit dem Förderzentrum erstellt, umgesetzt und evaluiert werden.
Kompetenzraster, Portfolios und individuelle Lern- beziehungsweise Förderpläne bilden die Grundlage für die Zeugnisse und Kompetenztabellen der Schülerinnen und Schüler gemäß der Landesverordnung für die Gemeinschaftsschule. Die Zeugnisse fassen zum jeweiligen Schulhalbjahresende zusammen, welche kontinuierlichen Lernfortschritte der einzelne Schüler und die einzelne Schülerin während der Schulwochen gemacht hat. Zu den Notenzeugnissen werden weiterhin ergänzende verbale Beurteilungen gegeben.
Um das gesamte Begabungsspektrum aller Schülerinnen und Schüler nutzen zu können, wird in den Klassenstufen 5 und 6 ein Propädeutikum zur Entwicklung der Lernkompetenzen sowie in allen Jahrgangsstufen ein integriertes Methodentraining angeboten.
Hierzu gehören Aspekte wie
• Verantwortung für den eigenen Lernprozess übernehmen
• andere und anderes akzeptieren
• Kernprobleme erfassen und vernetztes Denken einüben
• Schlüsselqualifikationen erwerben und Grundkenntnisse sichern
• grundlegende Fachmethoden kennen lernen
• Lerntechniken trainieren
• Planungskompetenz erlernen sowie
• Präsentationstechniken ausprobieren
Die Klassen- und zugehörigen Nebenräume werden hierfür als Lernwerkstätten strukturiert, um soviel selbstorganisiertes Lernen wie möglich zu gewährleisten. Hierzu ist ein intensives Engagement des Schulträgers gegeben und auch für die zukünftige Arbeit zugesichert.
Das Lernen in Klassenverbänden bleibt an der Gemeinschaftsschule Kellinghusen weiterhin entscheidend, da neben der Vermittlung von Sach-, Methoden- und Medienkompetenzen der Förderung von Sozial- und Selbstkompetenzen entscheidende Bedeutung beigemessen wird. Hierzu gehören Kompetenzbereiche wie
• in schulischen Gremien mitarbeiten und das Schulleben mitgestalten
• Konflikte gewaltfrei lösen
• eigene Interessen und Wünsche mit denen anderer in Einklang bringen
• sich Ziele setzen und sie erreichen
• Durchhaltevermögen erwerben
• Berufsentscheidungen fällen
• Lebenseinstellungen gewinnen und bei der Lebensplanung einbeziehen.
Hierzu wird das Klassenlehrerprinzip konsequent umgesetzt. Die Lehrteams arbeiten in allen Jahrgangsstufen eng zusammen.
Die Gemeinschaftsschule kann sich ein spezielles, von der Schulkonferenz festgelegtes Profil geben, welches sich dann zum Beispiel in Angeboten von Wahlpflichtkursen und Arbeitsgemeinschaften widerspiegelt. Entscheidend für die Arbeit der Gemeinschaftsschule ist die enge Kooperation mit allen Schulen des Einzugsbereiches, insbesondere mit dem regionalen Förderzentrum für den Förderschwerpunkt "Lernen".
An der Gemeinschaftsschule Kellinghusen arbeiten zusammen:
• Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung für das Lehramt an
Grund- und Hauptschulen
Realschulen
Gymnasien
• Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen
• Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen
• nichtpädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Schule wird von einem Schulleiter und seinem Stellvertreter mit vier weiteren Koordinatoren geleitet.
Im Anhang zu dieser Konzeption der Gemeinschaftsschule Kellinghusen folgen einige inhaltliche Füllungen, die in der nächsten Zeit kontinuierlich weiter ausgestaltet werden.
Die Gemeinschaftsschule Kellinghusen startete im August 2007 siebenzügig. Integrative Maßnahmen gab es in drei Klassenverbänden. Die Zusammenarbeit mit dem Förderzentrum für den Förderschwerpunkt Lernen ist eng und vertrauensvoll. Einige Schülerinnen und Schüler werden durch die Kreisfachberaterin für den Förderschwerpunkt: Körperliche und motorische Entwicklung sowie Unterricht kranker Schülerinnen und Schüler begleitet. Die Jahrgangsstufe 5 wird konsequent in Lernwerkstätten mit Lehrteams und nach dem Klassenlehrerprinzip unterrichtet. Innere Differenzierung und ein lebendiges Schulleben gehören selbstverständlich zum Unterrichtsalltag.
Der Unterricht beginnt für die Schülerinnen und Schüler in der Klassenstufe 5 mit
• einer Orientierung in der neuen Umgebung
• individueller Lernstandserhebung in allen Fächern und Fachbereichen
• integriertem Methodentraining
• Umgang mit Stundenplan
• Packen der Schultasche
• Führen von Ordnern
• Trainieren offener Lernformen
• Lernen an Stationen
• Wochenplanarbeit in Weiterführung der Arbeit der Grundschulen
• Arbeiten an Lerntheken
• Selbstgesteuertes Lernen in der Lernwerkstatt, auch mit Kompetenzrastern.
Die Rahmenbedingungen der Gemeinschaftsschule Kellinghusen lassen sich wie folgt beschreiben:
• ca. 700 Schülerinnen und Schüler
• ca. 31 Klassen
• ca. 45 Lehrkräfte
• Ausbildungsschule mit 7 Lehrkräften in Ausbildung
• Ganztagsschule mit 1,7 Millionen Euro Investitionen für einen Neubau für diesen Bereich mit staatlichen Fördermitteln
• zwei Sekretärinnen und ein Hausmeister
• eine Erzieherin für die Insel, die gleichzeitig Koordinatorin des offenen Ganztagsbetriebes ist
• Fachräume: 3 Biologieräume, 1 Chemieraum, 2 Physikräume, 2 Technikwerkstätten, 2 Kunsträume, 1 Schulküche,1Textillehreraum, 3 Computerkabinette, 1 Musikraum, mehrere Gruppenräume
• eine Sporthalle mit Drittelmöglichkeit sowie ein Sportplatz mit 400 m – Bahn
• Cafeteria mit Aufenthaltsraum
• Raum für „Pädagogische Insel“
• ein Forum mit professioneller Bühne
Das Schulprofil umfasst bisher die Bereiche Bildung, Pädagogik, Schulleben und Netzwerkarbeit. Diese werden im folgenden durch eine kurze Aufzählung mit Inhalt gefüllt:
1. Bildung
• Schüler- und Leistungsorientierung
• Methoden – und Sozialtraining
• Selbstgesteuertes Lernen (u.a. Kompetenzraster...)
• Fächer- und jahrgangsübergreifende Schulprojekte
• Offene Unterrichtsformen
• Klassenstunden zur Förderung der Sozialkompetenz
• Umfangreicher Wahlpflichtbereich
• Einheitliche Lern- und Sozialverhaltenskriterien
• Vereinbarte Beurteilungskriterien
2. Pädagogik
• Netzwerk Schule-Eltern-Schüler-Institutionen
• Zusammenarbeit mit den Erziehern
• Trainingsraum „Pädagogische Insel
• Streitschlichterinnen und Streitschlichter, Schülermediatorinnen und –mediatoren
• Präventionsarbeit (Rechtsradikalismus, Gewalt, Drogen)
• Arbeit mit Lern- und Förderplänen
3. Schulleben
• nachmittägliche Arbeitsgemeinschaften
• Aktive Pause und gemeinsames Mittagsessen
• Teilnahme an Sportturnieren
• Klassen- und Schulfahrten
• Theateraufführungen und Theater- oder Musicalbesuche
• Projekttage und der „Präsentationstag“
• Schüler helfen Leben
• Teilnahme an vielfältigen Wettbewerben wie Vorlese- und Literaturwettbewerb, Wettbewerb Schule-Wirtschaft-Arbeitsleben
• „Zeitung in der Schule“ – ZiSch
• Lesenächte
• feierliche Zeugnisübergabe in der Schule und festlicher Abschlussball
4. Netzwerkarbeit mit
• regionalen Wirtschaftsunternehmen (Praktika)
• der Agentur für Arbeit (Berufsberatung)
• dem Jugendaufbauwerk (Potenzialanalysen, Flexible Ausgangsphase)
• Förderzentrum (Integration, Prävention, gestaltete Übergänge, unterschiedliche Förderschwerpunkte)
• Polizei (Prävention im Team)
• Jugendamt
• Gesundheitsamt (Drogenprävention)
• Stadtjugendpflege (Seminare zur Mitbestimmung)
• Kinderärzte (ADS-Fortbildung)
• Vereine (Arbeitsgemeinschaften)
• Theater Itzehoe, ADAC und Sparkasse.
Die vorläufigen Leitsätze der Schule lauten:
Leitsatz 1: Jedes Kind hat ein Recht auf Erfolg!
Wir möchten die Entwicklung der individuellen Form von Tüchtigkeit der Schülerinnen und Schüler fördern, um den Kindern und Jugendlichen ein positives Selbstkonzept, Selbstachtung und Selbstvertrauen zu ermöglichen.
Denn die Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf Erfolg, und Lernversagen muss vermieden werden. Dafür ist es erforderlich, dass Kinder und Jugendliche mit speziellen Bedürfnissen (besondere Begabungen, Legasthenie, Dyskalkulie, ADS) Hilfe und Unterstützung erwarten dürfen, dass aber auch gegebenenfalls der Lernerfolg der Mehrheit Vorrang vor Lernstörungen Einzelner hat.
Wir wollen die Wirksamkeit von Unterricht und Schule verbessern und deshalb unsere Lehr- und Lernkultur reflektieren und optimieren.
Unseren Schülern soll Schulversagen und Klassenwiederholungen erspart bleiben, damit alle mit einem ordentlichen Abschluss die Schule verlassen und solide ins Leben starten können.
Leitsatz 2: Start ins Leben
Alle am Schulleben Beteiligten legen Wert auf respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. Darüber hinaus wollen Lehrkräfte und Eltern den Schülerinnen und Schülern günstige Ausgangsbedingungen schaffen.
Leitsatz 3: Fit für Leistung und Beruf
Am Ende ihrer Schulzeit sollen unsere Schülerinnen und Schüler berufsfähig sein. Zur Berufsfähigkeit gehören der Erwerb von grundlegenden Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen und Allgemeinbildung. Werte wie Pünktlichkeit, Ausdauer, Verlässlichkeit, Höflichkeit und die Bereitschaft zur Leistung sind ebenfalls Bestandteil unserer Unterrichts- und Erziehungsarbeit.
Für die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen existiert ein vorläufiges Schulcurriculum der Klassenstufen 5 –10. Es umfasst die Bereiche:
1. Kommunikation
• Verständigungsbereitschaft herstellen- Kommunikationskompetenz fördern
2. Gewaltprävention
• Konfliktfähigkeit schulen
• Zusammenarbeit Eltern/Lehrer/Institutionen
3. Arbeit in Projekten
• Selbstständige Projektplanung
• Entwicklung von Lösungsstrategien
• Eigene Informationsbeschaffung
• Präsentationsformen anwenden
4. Neue Medien
• Lernprogramme benutzen
• Internet als Informations-/Kommunikationsmittel einsetzen
• Präsentationsmedien nutzen
5. Teamfähigkeit
• Selbstständigkeit
• Eigenverantwortung
• Handlungsverantwortung
6. Berufsorientierung
• Klasse 7: Werkstatt-Tage
• Klasse 8: Blockpraktikum, Berufswahlpass und Potenzialanalyse,
Beginn der flexiblen Übergangsphase (Flex-Klassen),
praktisch ausgerichtete Wahlpflichtkurse
einschließlich WPK Berufsvorbereitung und Berufsfindung
• Klasse 9: Blockpraktikum, schuljahresbegleitendes Tagespraktikum,
Bewerbungstraining durch externe Anbieter, schulinterne Berufsberatung
• Klasse 10: qualifizierter Abschluss, Karriere mit Lehre, Blockpraktikum,
schuljahresbegleitende Tagespraktika, internetgestützte Bewerbungen,
Unterrichtsfach Berufsvorbereitung, AG zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen
7. Besonderheiten der Schulausgangsphase
• Lehrerbetriebspraktika
• Aufbau von Schülerfirmen
• Wirtschaft in der Schule
Beachtet werden muss, dass die Gemeinschaftsschule Kellinghusen im August 2007 ihre Arbeit als eine von acht Pilotschulen aufgenommenhat und dass noch umfassender Entwicklungs- und Evaluationsbedarf besteht.
Ansprechpartner:
Gerd Christian Thielmann, Danziger Str.40, 25548 Kellinghusen, 04822-376710
